News über die Kampagne

Wirst auch du eine Mahnwache für das Überleben aller Nationen und Völker in deiner Stadt abhalten?

 Vor ein paar Tagen haben wir unsere Pläne für Kopenhagen bekannt gegeben. Am Wochenende rund um den 12.Dezember, während in Kopenhagen der Klimagipfel der Vereinten Nationen stattfindet, werden wir Mahnwachen gemeinsam mit euch in vielen Städten der Welt abhalten. Es wird einen Laternenzug am Hafen von Hong Kong geben, Menschen werden ein Kerzenmeer an der durch den Klimawandel bedrohten Küste Bangladesh entzünden und wir werden uns vor US Botschaften treffen, um darauf hinzuweisen, dass die USA zu einem fairen und ambitionierten Klimavertrag beitragen muss.

 

Die 350 Mahnwachen sind Teil eines globalen Klimawochenendes, zu welchem wir gemeinsam mit unseren Partnern von der TckTckTck Koalition aufrufen. An diesem Wochenende werden Menschen überall auf der Welt zusammen kommen und Mahnwachen als Zeichen der Solidarität mit den Nationen und Völkern, deren Überleben durch den Klimawandel bedroht ist, abhalten, den das Überleben dieser Völker und Nationen ist nicht verhandelbar.

 

Gemeinsam werden wir den Appell dieser Völker und Länder unterstützen und uns für einen „Überlebenspakt“ einsetzen, welcher die reichen Industrienationen dazu verpflichtet ihre CO2 Emissionen soweit zu reduzieren, dass wir auf 350 ppm zurückkommen werden und das Überleben aller Völker und Nationen sichern. Hinter diesem Aufruf steht eine einfache Gleichung

 

350 = Überleben

 

Hier könnt ihr den Überlebenspakt unterzeichnen und hier findet ihr mehr Informationen wie ihr eure eigene Mahnwache bei euch zu Hause abhalten könnt.  

 

Stehe gemeinsam mit dem Präsidenten der Malediven für das Überleben aller Nationen und Völker

 

Während Staats- und Regierungschefs der reichen Industrienationen gerade in den letzten Wochen die Erwartungen an Kopenhagen gedämpft haben melden sich die am meisten durch den Klimawandel bedrohten Länder mit einem starken Appell für Kopenhagen zu Wort. Letzte Woche trafen sich 11 der am meisten durch den Klimawandel bedrohten Staaten beim Vulnerable Climate Forum in den Malediven. Eingeladen vom Präsidenten der Malediven, Mohammed Nasheed, diskutierten sie ihre Strategie für Kopenhagen und sendeten ein starkes Signal an die Welt nicht einfach zuzuschauen, wenn die reichen Industrienationen diesen Dezember beim UN Klimagipfel in Kopenhagen einen politischen Deal verabschieden, der das Überleben dieser Nationen gefährdet, da er nicht den letzten klimawissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht und uns nicht auf 350 ppm zurückbringen kann.

 

Um es mit den Worten Präsident Nasheed zu sagen, „ Es ist leicht zu glauben, er könne durch irgendeinen komplizierten politischen Kompromiss zwischen mächtigen Staaten in Angriff genommen werden. Aber Tatsache ist: Wir können mit den Gesetzen der Physik nicht verhandeln. Wir können keinen Deal abschließen mit Mutter Natur“.

 

Nationen, die zu den ärmsten der Welt und zu den am meisten durch den Klimawandel gefährdetsten gehören, wie z.B. die Malediven, haben sich dazu entschlossen nicht einfach nur zuzuschauen, wenn über ihr Schicksal entschieden wird, sie machen den ersten Schritt. So haben sich z.B. die Malediven selbst dazu verpflichtet innerhalb der nächsten 10 Jahre CO2 neutral zu sein und ihre Energien aus 100% Erneuerbaren zu erzeugen. Vergleicht man dies mit den Reduktionszielen, welche durch die reichen Industrienationen für Kopenhagen vorgelegt wurden stellt sich wohl die Frage, wer hier führend im Kampf gegen den Klimawandel ist. Die USA, deren vorgelegten CO2 Reduktionsziele nur ein Tropfen auf den heissen Stein sind und bei weitem noch nicht als gesichert angesehen werden können, oder die EU, welche trotz neuester Studien, die besagen, dass ein 30% Reduktionsziel zu erheblich geringeren Kosten zu erreichen ist, als zuvor angenommen, sich nicht zu einer starken Klimapolitik mit starken Reduktionszielen und Finanzzusagen hinreissen lassen? Oder doch vielleicht Präsident Nasheed und die Staats-und Regierungschefs der am stärksten durch den Klimawandel bedrohten Länder, welche trotz ihrer sehr prekären finanziellen Situation die ersten wichtigen Schritte zu einer CO2-neutralen Zukunft bereits einleiten?

 

Hier bei 350.org sind wir der Meinung, dass wir den Appell von Präsident Nasheed nicht ungehört lassen können und uns dem von ihm geforderten „Überlebenspakt“ anschliessen müssen, denn für nichts anderes steht 350ppm – das Überleben aller Nationen und Völker. Das Überleben dieser Nationen und Völker ist nicht verhandelbar. Deshalb haben wir uns vorgenommen Aktionen während Kopenhagen durchzuführen, die diesen Überlebenspakt unterstützen. Mit Mahnwachen werden wir am 11.12 und 12.12 weltweit dazu aufrufen, das Überleben dieser Nationen und Völker nicht aufs Spiel zu setzen und einen Klimavertrag in Kopenhagen zu erarbeiten, welcher uns s wieder auf 350 ppm zurückbringen kann.

 

Hier könnt ihr den „Überlebenspakt“ unterzeichnen und euch auf die Seite der am meisten durch den Klimawandel bedrohten Länder stellen. Und hier könnt ihr eure eigene 350 Überlebens Mahnwache anmelden.

 

Die Rede von Präsident Nasheed von den Malediven

 

November 2009

 

Ihre Exzellenzen, hochverehrte Gäste, meine Damen und Herren,

 

Wir begegnen uns heute hier als Vertreter einiger der am meisten vom Klimawandel bedrohten Nationen der Erde.

Wir sind verwundbar, weil die Klimaveränderung uns wahrscheinlich zuerst und am heftigsten treffen wird.

Und wir sind verwundbar, weil wir nur bescheidene Mittel haben, um uns vor der bevorstehenden Katastrophe zu schützen.

Wir sind eine vielfältige Gruppe von Ländern.

Aber wir haben einen gemeinsamen Gegner.

Für uns ist der Klimawandel keine ferne oder abstrakte Bedrohung, sondern eine deutliche und gegenwärtige Gefahr für unser Überleben.

Der Klimawandel bringt die Gletscher in Nepal zum Schmelzen.

Er verursacht Überflutungen in Bangladesch.

Er droht die Malediven und Kiribati zu versenken.

Und in den letzten Wochen hat er die Trockenheit in Tansania und die Taifune auf den Philippinen verstärkt.

Wir sind die Frontstaaten im Kampf um das Klima.

 

Meine Damen und Herren,

nicht die Entwicklungsländer haben die Klimakrise ausgelöst.

Wir sind nicht verantwortlich für die seit hundert Jahren anhaltenden CO2-Emissionen, die den Planeten aufheizen.

Aber die Gefahren, die der Klimawandel für unsere Länder darstellt, bedeuten, dass wir diese Krise nicht länger als das Problem anderer Menschen betrachten können.

Kohlendioxid kennt keine Grenzen.

Ob wir es mögen oder nicht, wir stehen alle gemeinsam vor dieser Schlacht.

Für alle, die heute hier versammelt sind, ist Untätigkeit keine Option.

Also, was können wir tun?

Für mich muss sich jede Aktion, die wir unternehmen, auf die aktuellsten Ratschläge der Klimawissenschaftler gründen, und nicht auf die Ideen von Politikern wie uns.

Während der Schatten von Kopenhagen schon auf uns liegt und die Unterhändler verzweifelt nach einer Lösung suchen, liegt es nahe zu denken, der Klimawandel sei ein internationales Problem wie jedes andere.

Es ist leicht zu glauben, er könne durch irgendeinen komplizierten politischen Kompromiss zwischen mächtigen Staaten in Angriff genommen werden.

Aber Tatsache ist: Wir können mit den Gesetzen der Physik nicht verhandeln.

Wir können keinen Deal abschließen mit Mutter Natur.

Wir müssen lernen, innerhalb der feststehenden Grenzen unseres Planeten zu leben, die die Natur uns setzt.

Und es wird immer deutlicher, dass wir weit über diese planetarischen Mittel hinaus leben.

Wissenschaftler sagen uns, dass die Kohlendioxidwerte auf unter 350 Teile pro Million gesenkt werden müssen.

Und wir verstehen warum.

Wir sind bereits über das sichere Ziel hinausgeschossen.

Die Konsequenz davon ist, dass die Polarkappen schmelzen.

Die Regenwälder sind bedroht.

Und die Korallenriffe der Erde sind in unmittelbarer Gefahr.

Die Mitglieder der reichen G8-Staaten haben sich verpflichtet, den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Sie haben es jedoch abgelehnt, konkrete Kohlendioxidwerte festzulegen, mit denen selbst dieses bescheidene Ziel erreicht werden könnte.

Bei zwei Grad würden wir die Korallenriffe verlieren.

Bei zwei Grad würde uns Grönland wegschmelzen.

Bei zwei Grad würde mein Land nicht überleben.

Als Präsident kann ich das nicht akzeptieren.

Als Mensch kann ich das nicht akzeptieren.

Ich wehre mich zu glauben, dass es zu spät ist und wir nichts dagegen tun können.

Kopenhagen ist unser Schicksalsdatum.

Lassen Sie uns mit einem besseren Plan hingehen.

 

Meine Damen und Herren,

wenn wir uns heute in der Welt umsehen, gibt es nur wenige Länder, die beim Klimawandel moralische Führungskraft zeigen.

Es gibt viele Politiker die bereit sind Schuldige auszuweisen.

Aber nur wenige sind bereit bei der Lösung einer Krise zu helfen, die, wenn sie eskaliert, uns alle vernichten wird.

Nur wenige Länder sind gewillt das Ausmaß der Emissionsverminderung zu erörtern, die nötig wäre um den Planeten zu retten.

Und die Angebote, mit denen die verwundbarsten Nationen bei ihrer Anpassung unterstützt werden sollen, sind jämmerlich.

Die angebotenen Geldsummen sind so niedrig, als würde man in einem Erdbebengebiet mit Handschaufel und Bürste auftauchen.

Wir möchten nicht undankbar erscheinen, aber diese Summen werden der Größe der Herausforderung kaum gerecht.

Wir haben uns hier versammelt, weil wir im Angesicht der Klimaveränderungen die verwundbarste Nationengruppe sind.

Das Problem hat uns schon erfasst, dabei haben wir herzlich wenig womit wir uns wehren können.

Einige würden es vielleicht vorziehen, wenn wir wegen unseres Leidens kein Aufheben machen würden, aber wir haben uns heute entschlossen zu reden.

Und so lege ich heute dieses Versprechen ab: wir werden nicht still sterben.

Meine Damen und Herren,

ich glaube an die Menschlichkeit.

Ich glaube an das menschliche Genie.

Ich glaube daran, dass wir mit der richtigen Einstellung diese Krise bewältigen können.

Auf den Malediven wollen wir uns weniger auf unser Bedrängnis konzentrieren und dafür mehr auf unser Potenzial.

Wir wollen das tun, was für den Planeten am besten ist.

Und das, was für unseren wirtschaftlichen Eigennutz am besten ist.

Deshalb haben wir vor einiger Zeit unsere Pläne angekündigt, innerhalb von zehn Jahren CO2-neutral zu werden.

Wir werden von Erdöl auf 100% erneuerbare Energien umrüsten.

Und wir werden die Verschmutzung durch den Flugverkehr ausgleichen, bis ein Weg gefunden wird, auch den Lufttransport CO2-frei abzuwickeln.

Ich glaube, dass die Länder, die die Voraussicht haben, ihre Wirtschaft heute umweltverträglich zu machen, die Gewinner von morgen sein werden.

Sie werden die Gewinner dieses Jahrhunderts sein.

Diese bahnbrechenden Länder werden sich vom unberechenbaren Preis des importierten Erdöls befreien.

Sie werden aus den neuen, grünen Wirtschaftszweigen der Zukunft Kapital schlagen.

Und sie werden ihr moralisches Ansehen vergrößern und so mehr politischen Einfluss auf der Weltbühne gewinnen.

Hier auf den Malediven verzichten wir auf unseren Anspruch auf CO2-intensives Wachstum.

Schließlich wollen wir nicht CO2, sondern Entwicklung.

Wir wollen nicht Kohle, sondern Elektrizität.

Wir wollen nicht Erdöl, sondern Transport.

Es gibt mittlerweile CO2-arme Technologien, die uns alle benötigten Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stellen können.

Lassen Sie es unser Ziel sein, sie zu nutzen.

 

Meine Damen und Herren,

eine Gruppe von verletzlichen Entwicklungsländern, die sich der CO2-neutralen Entwicklung verschreiben, würde damit eine deutliche Botschaft an den Rest der Welt schicken.

Wenn verletzliche Entwicklungsländer sich zur CO2-Neutralität verpflichten, können jene die die Veränderung ablehnen sich nicht länger verstecken.

Wenn jene mit den wenigsten Mitteln das meiste tun, welche Ausrede bleibt den Reichen dann für fortgesetztes Nichtstun?

Wir wissen, dass dieses kein einfacher Schritt ist, und dass auf unserem Weg Gefahren lauern.

Wir wollen ein Licht anzünden, statt lauthals zu fordern, dass andere uns in der Dunkelheit vorausgehen.

Und daher wollen wir Ihnen heute unsere Strategie der CO2-Neutralität vorstellen.

Und wir wollen Sie bitten, diese CO2-Neutralität für sich selbst in Betracht zu ziehen.

Ich denke, dass ein Block von Entwicklungsländern, die sich zu diesem Ziel verpflichten, den Ausgang der Kopenhagener Konferenz verändern könnte.

Zur Zeit begibt sich jedes Land mit der Idee zu den Beratungen, den eigenen CO2-Ausstoß so hoch wie möglich zu halten.

Keiner macht Zugeständnisse, bevor nicht jemand anderes welche macht.

Das ist die Logik des Irrenhauses, eine Anleitung zu kollektivem Selbstmord.

Wir wollen keinen globalen Selbstmord-Pakt.

Und wir werden keinen globalen Selbstmord-Pakt unterschreiben, weder in Kopenhagen noch anderswo.

Deshalb lade ich heute einige der verwundbarsten Nationen auf der Welt dazu ein, sich einem globalen Überlebens-Pakt anzuschließen.

Wir stecken alle zusammen in dieser Krise.

Entweder wir überwinden sie gemeinsam, oder wir scheitern gemeinsam daran.

Ich hoffe, Sie entscheiden sich mit mir zusammen für das Erstere.

 

(Quelle: www.350.org; übersetzt von Georges Pfeiffenschneider) 

 

350 in Heidelberg

 
Hier berichtet Gast Blogger Adrian Tavaski von seiner grossen 350 Luftbildaktion in Heidelberg. 
 
Von dem Aktionstag „350“ erfuhr ich in einem online-Radio-Interview im Sommer 2009 mit Bill McKibben. Seine Integrität und die Ernsthaftigkeit seines Anliegens sprachen mich tief an und ich beschloss, an der Heidelberger Aktion teilzunehmen oder, wenn es sein muss, diese selbst zu initiieren.
Weder politisch noch in der Umweltbewegung aktiv, hatte ich bis dahin keinerlei Erfahrung, aber ich war mir sicher, dass ich etwas gegen die drohende Klimagefahr unternehmen und meine Mitmenschen wachrütteln wollte. „Wenn es nicht anders geht, fotografiere ich mich mit Ehefrau und Kind mit einem 350-Plakat vor dem Heidelberger Schloss!“, dachte ich. Diese durch Bill inspirierte Entschlossenheit war es, die mich in der ersten Phase der Organisation trug und mir bei der Suche nach Partnern Kraft gab.
Ende August fing ich an, alle Parteien und Organisationen, die dafür in Frage kamen, durchzutelefonieren. Ich besuchte Vorstandsitzungen und Mitgliederversammlungen und stellte das Projekt vor. Meine Arbeit war leichter als ich erwartet hatte. Heidelberg ist eine tolle Stadt mit ausgeprägtem Bewusstsein und hoher Sensibilität für Umwelt- und Klimaschutz, sodass sich bald die ersten Mitstreiter fanden. Nach etwa drei bis vier Wochen stand ein großer Kreis von engagierten und kompetenten Mit-Organisatoren fest.
Stephan Pucher und Matthias Weyland, beide Mitarbeiter des BUND, waren von der Idee von Anfang an begeistert. Die Heidelberger Umwelt-Initiative „Unser Strom ist grün“, an der zahlreiche Parteien und Organisationen beteiligt sind, adoptierte die Aktion offiziell. Arnulf Weiler–Lorentz von der Bunten Linken brachte seine langjährige Erfahrung als Lokalpolitiker und Umweltschützer in das Projekt ein.
Das aus ca. 10-12 Leuten bestehende Organisationsteam traf sich wöchentlich, auf der Mailingliste des Teams wurden 20-25 Personen über die einzelnen Schritte und Beschlüsse informiert. Wir hielten eine Pressekonferenz ab und organisierten an zwei Wochenenden einen Infostand. Der BUND entwarf sowohl Flyer als auch Plakat und das Team sammelte Spenden für das Plakatieren der Stadt.
In der Ausführung spielten die Infrastruktur und die Mitarbeiter des BUND-Büros eine wesentliche Rolle. Frejya Hauke, die Praktikantin, kümmerte sich um die technischen Details der Luftbildaufnahme und wurde von Aerial Basecamp aus den USA betreut. Alex und Jonathan, Zivildienstleistende, sowie die frisch gegründete Grüne Jugend, zeigten sowohl mit dem Infostand bei Regenwetter als auch am Aktionstag engagierten Einsatz.
Tatkräftige Unterstützung bzw. Geldspenden erhielten wir von den Grünen, der SPD, der Bunten Linken, der GAL, der Organisation Ökostadt Rhein-Neckar, ATTAC, der DKP, dem Umweltamt der Stadt Heidelberg und den Stadtwerken Heidelberg.
Eine besondere Freude war, mitzuerleben, dass sich viele Privatpersonen meldeten und spontan ihre Hilfe anboten. Es ist leider nicht möglich, alle Menschen aufzuzählen, die zum Gelingen der Aktion beitrugen. Für mich persönlich war der schönste Moment, ihre strahlenden Gesichter zu sehen, nachdem alles geklappt hat. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt in einer riesigen globalen Unternehmung war, hatte man in diesem kathartischen Augenblick das Gefühl, gemeinsam etwas Gutes bewirkt zu haben. Eine Aktion dieser Art war bisher einmalig in Heidelberg.
 
Adrián Tavaszi,
 

23.11.09, Neckargemünd bei Heidelberg 

 

Tausende von Schülern starten bereits heute den 350 Aktionstag

Während hier in Deutschland noch die letzten Banner zum Trocknen ausgehängt werden haben über 15000 Schüler den 350 Aktionstag bereits heute in Äthiopien gestartet. Und nicht nur in Äthiopien, an etlichen Schulen wurde heute über den Klimawandel und 350 ppm gelehrt, diskutiert und natürlich auch Aktionsfotos gemacht. Auch in Deutschland wurde darüber diskutiert, warum wir die CO2 Konzentration auf 350 ppm zurückbringen müssen und wie wir dazu beitragen können die schlimmsten Auswirkungen einer sich immer weiter aufheizenden Atmosphäre noch zu verhindern.
 
Und während ich hier schreibe bekommen wir gerade die ersten Fotos von Aktionen aus Neuseeland rein. Hier wurden die ersten Sonnenstrahlen an diesem denkwürdigen Tag dann auch direkt mit einem 350 Banner begrüsst.
 
Ich bin mir sich, dass zwischen den ersten Sonnenstrahlen in Neuseeland und den letzten Aktionen in Alaska wir tausende von überraschenden, lustigen aber bestimmt auch berührenden Fotos von Aktionen reinbekommen werden, die am 24. Oktober anlässlich des 350 Klimaaktionstages überall stattfinden. Die tollsten Bilder und die dazugehörigen Geschichten werden wir hier im Laufe des Tages vorstellen.
 

 

 

 

 

Und so geht's: eine 350 Aktion in 5 einfachen Schritten

Unsere Freunde von BUNDjugend in Mainz haben schon mal eine kleine Testrunde für Samstag, den mit bis jetzt bereits über 4200 Aktionen starken internationalen Klimaaktionstag, gedreht und eine Vorabaktion in der Mainzer Innenstadt veranstaltet.

Anhand ihrer Aktion lässt sich gut veranschaulichen auf was man achten muss, wenn man eine Klimaaktion erfolgreich auf die Beine stellen möchte.

Schritt 1: Aktionsidee – wie soll die Aktion aussehen? In Mainz hat man sich dafür entschieden mit Kreide eine riesige 350 in der Fussgängerzone zu malen, um so die Aufmerksamkeit der Passanten auf 350 und den Klimawandel zu lenken.

Schritt 2: Aktionsvorbereitungen – was brauche ich um die Aktion durchzuführen? Materialien, offizielle Anmeldung der Aktion bei der Polizei oder Stadt, Rollenverteilung (wer kümmert sich am Aktionstag um was?) gehört hier alles dazu. Abhängig davon was man für eine Aktion plant kann das mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehmen. Wenn ihr eine Aktion noch spontan machen möchtet bieten sich Aktionsformen an, die weniger Vorbereitung brauchen wie z.B. die Aktion in Mainz.

Schritt 3: Aktionsmobilisierung – lasst all eure Freunde, Verwandte, Kollegen, Haustiere etc. von der Aktion wissen, richtet eine Aktionsseite auf Facebook oder anderen social networking Seiten ein und ladet jeden zu deiner Aktion ein.

Schritt 4: Wer jetzt noch fehlt ist ... genau die Presse natürlich – schicke Pressemitteilungen an Zeitungen, Radiosender etc. in eurer Region und lade sie zu der Aktion ein. Es müssen nicht immer die grossen Tageszeitungen sein um viele Menschen zu erreichen. Mehr Menschen als man glaubt lesen die Lokalpresse regelmässig und speziell wenn du die Aktion in eurer Region bekannt machen möchtest ist eine lokale Zeitung der beste Ort dafür. Das zeigt auch die Aktion in Mainz, über welche in der Allgemeinen Zeitung Mainz direkt am nächsten Tag berichtet wurde.

Schritt 5: Aktionsfoto – 350.org ist eine globale grassroots Kampagne, d.h. die Kampagne lebt von den tausenden von Aktionen, die überall auf der Welt in über 170 Ländern am selben Tag stattfinden werden. Um das zu dokumentieren brauchen wir eure Bilder. Also am besten jemanden aussuchen, der bei der Aktion Fotos macht und diese dann so schnell wie möglich auf der 350.org Webseite hochladen.

Wie man sieht ist es gar nicht so kompliziert eine erfolgreiche Klimaaktion auf die Beine zu stellen und falls ihr nicht sicher seit, ob ihr auch absolut startklar für Samstag seid schaut euch doch nochmal unseren 9 Punkte Plan an, der alle wichtigen Punkte, die man bei der Aktionsplanung und Durchführung beachten sollte erklärt. Viel Spass bei all den verschieden Aktionen, die ihr für Samstag plant und falls es noch Fragen gibt einfach bei uns melden.

 

Nur noch 8 Tage ...


So jetzt sind es also nur noch 8 Tage bis zum 24. Oktober – und hier ein kleines Update was denn so eigentlich in Deutschland für den globalen Klimaaktionstag am 24. Oktober geplant ist. Von München nach Berlin, von Kiel nach Bonn, überall wird zur Zeit kräftig an letzten Vorbereitungen für die deutschen 350 Klimaaktionen gearbeitet. Während der eine noch nach einem geeigneten Elektroauto für seine Silent Climate Parade in Berlin sucht, sorgen sich andere um die Beschaffung von 350 Regenschirmen für ihr Aerial picture (man weiss ja nie was das Wetter so bringt).

Aber erst mal der Reihe nach: zum jetzigen Zeitpunkt sind bereits über 3000 Aktionen für den Klimaaktionstag am 24. Oktober weltweit registriert und gut 40 dieser Aktionen werden in Deutschland stattfinden. Von grossen flash-mobs über Schulpetitionen, von Luftbildaufnahmen über Kunstaktionen ist alles dabei und natürlich lässt es sich Berlin nicht nehmen mit einem ganzen Aktionsprogramm die Hauptstadt und ihre Bewohner (und speziell eine Bewohnerin namens Frau Merkel) die 350 Botschaft zu verkünden.

Als Bill McKibben, Mitgründer von 350.org, letzten Juni in Deutschland auf Vortragsreise war, war er sich sicher, eine typisch deutsche Aktion sollte am 24. Oktober nicht fehlen. Da haben sich die Organisatoren in München nicht lange bitten lassen und ein 350 Bierfestival im englischen Garten auf die Beine gestellt. Während in München mit 350 Bierkrüge als Teil der 350 Prosit Aktion auf 350 angestossen wird in Berlin gefeiert. 350 Raver folgen hier als Teil einer Silent Climate Parade mit Kopfhörern ausgestattet Dr. Motte und Dirty Doering, einem der Helden der Bar 25, tanzend durch die Stadt. Vielleicht nicht ganz die typische deutsche Aktion, die amerikanische Klimaaktivisten wie Bill sich vorgestellt haben, aber wer jemals in Berlin war weiss, tanzen hat hier Tradition.

Damit auch Frau Merkel unsere 350 Forderung versteht, und begreift, was wir von ihr in Kopenhagen erwarten werden die Klimapiraten gemeinsam mit der Kampagne “Klimakanzlerin gesucht” in einem anspruchsvollen Casting vor dem Brandenburger Tor zwischen 350 Merkels ihre Klimakanzlerin küren.

Aber nicht nur in den Grossstädten werden Aktionen für den 24. Oktober geplant, auch in Münster, Starnberg, Mainz und Tübingen werden Klimaaktionen vorbereitet. Auf unserer Aktionskarte kann man schnell eine bereits geplante Aktion in seiner Nähe finden. Und falls noch nichts in deiner Nähe geplant ist warum nicht noch schnell eine eigene Aktion für den 24. Oktober organisieren?


 

Start des Klimagipfels in New York

Es scheint ein bisschen Bewegung in die UN Klimaverhandlungen zu kommen. Während draussen vor den Türen des UN Klimagipfels in New York Tausende von Aktivisten eine riesige Uhr mit dem dazugehörigen TckTckTck Slogan bilden hatten sich bereits am Montag, einem Tag bevor der UN Klimagipfel eröffnet wurde, Tausende von Menschen auf der ganzen Welt zusammengefunden, zu einem globalen Weckruf an ihre Staats-und Regierungschefs jetzt ernsthaft die internationalen Klimaverhandlungen anzutreiben. Und drinnen hat der chinesische Präsident, Hu Jintao, zum ersten Mal das Wort Emissionsreduktionsziele benutzt und nationale Reduktionsziele für 2020 angekündigt. Genaure Details blieb der chinesische Präsident aber leider schuldig. Nichtsdestotrotz wird  diese Ankündigung von Beobachtern als ein gutes Zeichen für die entscheidende Verhandlungsrunde in Kopenhagen im Dezember diesen Jahres gewertet.

Und gleichzeitig hat Mohammed Nasheed, Präsident der Malediven, einer der führenden Advokaten für ein starkes Klimaschutzabkommen in Kopenhagen und Unterstützer der 350.org Kampage, dazu aufgerufen sich am 350 ppm Aktionstag am 24. Oktober zu beteiligen. Er selbst wird an diesem Tag gemeinsam mit 350 Tauchern in den Malediven eine Unterwassersitzung abhalten, um auf die verheerenden Folgen des fortschreitenden Klimawandels in seinem Land hinzuweisen.

Und auch hier in unserem 350.org Berlin Büro passiert so einiges - immer mehr Aktionen werden aus ganz Europa für den 24. Oktober registriert. Und auch in Deutschland scheint jetzt Bewegung rein zukommen. Falls ihr noch Ideen habt für den 350 ppm Aktionstag in Deutschland lasst es uns wissen.

 

BAHNBRECHEND: Führender UN-Wissenschaftler unterstützt 350 ppm!

Liebe Freunde,  
 
ausnahmsweise bitten wir euch heute einmal nicht, irgendetwas zu tun. Wir möchten einzig und allein die neusten Nachrichten (großartige Nachrichten!), die das 350-Büro vor ca. 45 Minuten erhalten hat, mit euch teilen.  
 
Rajendra Pachauri ist der führende Klimawissenschaftler der Vereinten Nationen. Er ist der Vorsitzende des Weltklimarates IPCC, welcher alle fünf Jahre eine maßgebende Einschätzung zum Klimawandel verfasst. Der letzte Bericht, aus dem Jahr 2007, setzte 450 ppm (parts per million) CO2 als Obergrenze fest, ein Ziel, das viele Umweltorganisationen und nationale Regierungen für die Gespräche in Kopenhagen übernommen haben.  
 
Wie ihr wisst ist diese Zahl nicht mehr aktuell. Auf Grund ihrer Beobachtungen von Phänomenen, wie dem Schmelzen des arktischen Eises in den vergangenen zwei Sommern, haben James Hansen und andere Wissenschaftler anhand der neuen Daten 350 ppm als noch sichere Obergrenze für unseren Planeten festgesetzt.  
 
Aber es war schwierig, diese Neuigkeit unter den Entscheidungsträgern bekannt zu machen.

Die bahnbrechenden Nachrichten, die uns heute erreicht haben, sind daher umso erfreulicher: Dr. Pachauri sagte von seinem Büro in Neu Delhi aus, dass 350 ppm die entscheidende Zahl ist (Link auf Englisch). 
 
„Als Vorsitzender der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für Klimaveränderungen (IPCC) kann ich keine Position einnehmen, da wir keine Empfehlungen abgeben", sagte Rajendra Pachauri, als er gefragt wurde, ob er die Forderungen, die Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Atmosphäre auf unter 350 ppm zu bringen, unterstütze. 
 
„Als Mensch unterstütze ich dieses Ziel jedoch voll und ganz. Was zurzeit passiert und was voraussichtlich in Zukunft passieren wird hat mich überzeugt, dass wir äußerst ehrgeizig und entschlossen versuchen müssen, das 350-Ziel zu erreichen", sagte er der französischen Nachrichtenagentur AFP in einem Interview.
 
 
Dank eurer Arbeit war dieser Durchbruch möglich. Pachauri sprach ausdrücklich die letzten großen 350-Nachrichten an: die Entscheidung von über 80 kleinen Inselstaaten und weniger entwickelten Ländern, das 350-Ziel zu unterstützen.  
 
„Meiner Meinung nach ist das eine gute Entwicklung", sagte Pachauri. „Viele, darunter einige Wissenschaftler, sehen jetzt die Ernsthaftigkeit der Auswirkungen des Klimawandels und die Tatsache, dass es wesentlich schlimmer wird, als wir erwartet hatten."  
 
Diese Nachrichten geben uns Motivation, uns für den Internationalen Klimaaktionstag am 24. Oktober (Anmeldungen zur Organisation oder Teilnahme an einer Aktion auf
www.350.org) und die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember noch einmal richtig anzustrengen. 
 
Es ist nun deutlich geworden, dass die Wissenschaft ganz klar auf der Seite von 350 ppm steht. Jetzt müssen wir die Politik dazu bringen, gleichzuziehen. In den nächsten zwei Monaten werden wir das gemeinsam möglich machen. Bis zum 24. Oktober sind es nun noch anderthalb Monate und wir sind auf dem absolut richtigen Weg, um diesen Tag zum Erfolg zu führen.  
 
Vielen Dank für all eure Hilfe,  
 
Bill McKibben 
 
P.S.: Sobald ihr diese großartige Nachricht in euren Netzwerken verbreitet habt, geht bitte feiern. Apropos feiern, unsere Freunde von „The Age of Stupid" haben uns Bescheid gegeben, dass die Weltpremiere ihres neuen Klimawandelfilms am 21. September stattfinden wird - mehr Informationen dazu findet ihr auf:
www.ageofstupid.net